Herausforderung und Chance

Einbiegen auf der Zielgeraden des Lebens.

Wir alle wissen nicht ob wir im Eilzug durch das Ziel rauschen oder ob wir gemütlich im Bummelzug fahren werden. Eines ist ziemlich sicher: Die Bühne des Lebens zu verlassen, allein der Gedanke daran ist eine große Herausforderung. Es gibt noch so vieles zu erledigen. So vieles was noch erlebt werden möchte. Und vielleicht die schlimmste Vorstellung: Die Welt dreht sich weiter wie immer. Mit oder ohne mich.

Story: Angst vor dem Sterben

Helga, 84 Jahre, hatte körperlich eine OP gut überstanden, jedoch ein OP-Delir erlitten. Sie hatte extreme Angst mit Alpträumen. Das raubte ihr den so dringend benötigten Schlaf, um wieder zu Kräften zu kommen. Sie war extrem nervös. Nestelte aufgeregt an der Bettdecke und ihren Fingern. Es war nicht klar erkennbar, ob sie „bei sich war“ oder schon den Weg auf „die andere Seite“ losgegangen war.

Was war passiert?

Helga „träumte“ von Verwandten die bereits verstorben waren. Diese nahm sie in einem dunklen Verlies wahr. So real, dass sie vor lauter Angst nicht mehr schlafen konnte. Ich erfuhr, dass Helgas Mutter starb, als sie selbst noch ein Kind war. Sie hatte extreme Angst vor Dunkelheit, Sterben und Tod. Helga sagte: „Ich muss für meine Familie, die Enkel und Urenkel da sein. Sie brauchen mich.“ Helgas Ehemann verstarb bereits vor einigen Jahren.

Was hat ihre Angst vor dem Sterben etwas gezähmt?

Schnell war klar, dass Helga so sehr unter dem viel zu frühen Verlust ihrer Mutter gelitten hatte. Die Idee und Möglichkeit, dass ihre eigene Mutter sie „abholen“ käme, konnte Helga mit einem Lächeln im Gesicht auf der Stelle annehmen. Diese Vorstellung wurde lebendig. Endlich eine Wiedervereinigung von Mutter und Kind zu erleben, war zutiefst berührend und für den Augenblick sehr heilsam. „Ich spüre wie meine Mutter mich im Arm hält. Ich habe sie so sehr vermisst. Ich habe ihre Liebe vermisst."
Worte können nicht beschreiben, was in diesem Moment an „Heilung“ hat geschehen dürfen. Es war das Anspielen von mitgebrachten Klangschalen, die der angstbesetzten Situation im Jetzt eine friedliche und entspannende Note verlieh. Helga konnte etwas schlafen und die Tochter, die ihrer Mutter beistand, hatte ein paar Momente um aus dem Kümmern und die Sorge um ihre Mutter, lauzusteigen. Ein paar wohltuende Augenblicke um sich ebenfalls von den Klängen davontragen zu lassen.

Meine Vorstellung seit vielen Jahren:

Es wird meine geliebte Oma sein, die mich an der Endhaltestelle dieses Lebens abholen wird. Sie wird mich an der Hand nehmen und gemeinsam mit mir die Reise auf eine andere Ebene antreten. Sie kennt sich aus, sie weiß den Weg. Es ist eine wunderschöne Vorstellung und nimmt mir verlässlich die Angst und den Schrecken vor dem Hinübertreten in eine andere Dimension.

Alltagstipp:

Male dir mit allen Sinnen aus, wer es sein wird, um dich bei der Hand zu nehmen. Dich sicher auf eine andere Ebene, die andere Seite begleiten zu können. Was wird dieser für dich so besondere Mensch zu dir sagen? Wie wird sein Gesichtsausdruck sein? Wenn er ein Begrüßungsgeschenk für dich dabei hätte, was wäre das? Was verbindet dich mit diesem geliebten Menschen? Was zeichnet ihn aus? Weshalb wäre er es, der dich abholen würde?

Es ist eine wundervolle Chance, in Vertrauen und Zuversicht dem entgegenzublicken, was uns alle treffen wird: Der Augenblick, in dem wir aus unserem Körper schlüpfen.

Inspiration:

  • Buddhas Anleitung zum Glücklichsein (mit CD): Fünf Weisheiten, die Ihren Alltag verändern von Marie Mannschatz
  • Die zehn Geheimnisse des Glücks von Adam Jackson
  • Die zehn Geheimnisse der Liebe von Adam Jackson
  • Die 7 Geheimnisse der Schildkröte. Den Alltag entschleunigen, das Leben entdecken von Aljoscha Long und Ronald Schweppe


Vertraue niemals deinen Ängsten. Sie wissen nicht wie stark bu bist.

Athena Shing