Abschied und Trauer

Puh, schwerer Tobak!

Die Themen um die wir fast alle am liebsten einen riesengroßen Bogen machen. So als ginge mich das Ganze überhaupt nichts an. Ausgeklammert aus unserem „Just fun“ Modus. Das funktioniert auch oft supergut. Bis? Ja bis…das Leben uns oft auf die harte Tour damit konfrontiert, uns sagt: „Auch du kommst nicht davon.“ Hart ja, dennoch wahr.

Story: Schlafstörungen durch plötzlichen Tod

Eines Morgens steht Alfred auf (wegen seines Schnarchens hat das Ehepaar seit Jahren getrennte Schlafzimmer), macht Kaffee, liest Zeitung und wundert sich, dass seine Frau, 60 Jahre alt, so lange schläft. Was eher untypisch ist. Nach einer Weile macht er sich auf, um nach Anna zu sehen. Alfred muss nicht wirklich ins Zimmer gehen, sofort spürt er, dass etwas nicht stimmt. Panisch stürmt er zu seiner Frau, möchte sie wachrütteln. Sie ist schon kalt. Das ignoriert Alfred zunächst. Nach und nach dringt die Schwere, die von ihrem schlanken Körper ausgeht, in das Bewusstsein und die auch unwiederbringliche Wahrheit: Anna ist tot. Gestorben im Schlaf. Einfach so. Zack. Nicht mehr da. Wie in Trance stand Alfred die Tage mit der Organisation der Beerdigung und der Trauerfeier durch. Er „funktionierte“ einwandfrei. Scheinbar fand er sehr schnell eine tägliche neue Routine. Für sein Umfeld war er in und mit seiner Trauer recht „pflegeleicht“. Erst nach ein paar Monaten setzten Schlafstörungen mit Alpträumen ein, die allem Anschein nach aus heiterem Himmel kamen. Somatisch (körperlich) gab es keinen Befund. Alle gängigen Werte von Schilddrüse, Blutdruck usw. waren unauffällig.

Was war passiert?

Erst nach und nach „verstand“ die Psyche so wirklich die Endgültigkeit des Abschieds. Nur... dieser hatte nicht vollzogen werden können. Es gab keine Sterbephase, in der sich beide hätten voneinander verabschieden können. Dinge die gesagt oder getan werden hätten können, die vielleicht noch unerledigt oder nicht ausgesprochen waren.

Was war hilfreich?

Aus mehreren Möglichkeiten, die wir angesprochen hatten, entschied sich Alfred für "Die 30 Tage Übung", die er selbstständig daheim durchführen konnte.  Wieder und wieder durfte er mittels Visualisierung energetisch mit seiner Frau in Austausch treten. Alle Sinne durften einbezogen sein. Es erschien ihm, als würde dieser Austausch physisch und psychisch real stattfinden. Jedes Gefühl von Sprachlosigkeit, Wut, Traurigkeit "auf den Tisch zu bringen" war sein Weg. Verständnis und Akteptanz konnten langsam einzug halten. Alfred nahm sich selbst wesentlich friedlicher, ruhiger und entspannter wahr. "Mittlerweile schlafe ich wieder viel besser. Manchmal kann ich mich an schöne, bunte, lebendige Träume erinnern. Das töstet mich, auch wenn meine Frau mir jeden Tag unendlich fehlt." Alfred kann seine Trauer jetzt als Prozess anerkennen. Höhen und Tiefen dürfen sein. Es gibt Raum um gute und schlechte Tage bewusst wahrnehmen zu können. Sie haben ihre Berechtigung. Alfred empfand es für sich als enorm entlastend, dass er weder sich selbst noch anderen vormachen wollte oder musste, wenn sich Tage oder Wochen dunkel, schwer und einsam zeigten. Es war einfach in Ordnung.

Free Assoziation (am besten abends vor dem Zubettgehen): Das einfach drauf losschreiben. Völlig unzensiert und unüberlegt zu einem Thema: Hier z. B. Trauer. Schreibe dir alles von der Leber. Selbst anklagen, schimpfen, verurteilen, alles ist erlaubt.

Was passiert dabei?

Alles, was einen Weg in das Außen findet, entlastet dein System. Sehr wirkungsvoll ist diese Technik vor dem Zubettgehen. Es ist wie ein: „Ich schreibe es auf. Ich brauche mich nicht in der Nacht damit zu beschäftigen. Ich kann das tagsüber machen, wenn ich das möchte.“

Was ist dein Mehrwert aus unserem Miteinander?

Du wirst Stück für Stück und in deiner „Geschwindigkeit“, deiner Trauer eine Stimme geben können. Selbst wenn diese Stimme schweigen heißt. Es gibt eine Fülle an Möglichkeiten, um deine Trauer zu integrieren.

Ganz hervorragend eignen sich individuell gestaltete Rituale, die du oder wir gemeinsam ausführen können, um die Endgültigkeit des Abschieds anzunehmen und ihn somit zu befrieden. Auch im Nachhinein kann eine Verabschiedung, ein „Adieu sagen“ möglich sein. 

Inspiration:

  • In der Trauer lebt die Liebe weiter von Elisabeth Lukas
  • Kopf Hoch – Das kleine Überlebensbuch: Sorforthilfe bei Stress, Ärger und anderen Durchhängern von Dr. Claudia Croos Müller
  • Männer trauern anders - Was ihnen hilft und gut tut von Thomas Achenbach
  • Wo die Toten tanzen: Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird von Caitlin Doughty
  • Die Grasbeißerbande – Das Sterben wieder ins Leben holen von Susen und Karsten Stanberger
  • Die besten Beerdigungen der Welt von Ulf Nilsson und Eva Eriksson
  • Mudras für Körper, Geist und Seele. Karten: "Yoga mit dem kleinen Finger von Gertrud Hirschi
  • Das Yoga-Buch vom Leben und vom Sterben von Satya Singh
  • https://sterbeamme.de/fuer-betroffene/sterben-und-trauern/sterbende